Das Paket kommt per Rad in Bremerhaven

BREMERHAVEN. 2016 haben Kurier-, Express- und Paketdienstleister in Deutschland erstmals mehr als drei Milliarden Sendungen befördert.

Eine Folge: Die Zusteller verstopfen mit ihren Fahrzeugen zunehmend Innenstädte, blasen jede Menge Abgase in die Luft. In der Seestadt wird die nächsten zwei Jahre erforscht, ob das nicht alles auch viel umweltfreundlicher gehen kann. Die EU und der Umweltsenator geben dafür 200 000 Euro.

Die Idee von Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg von der Hochschule klingt simpel: Vor den Toren der Stadt laden die Paketwagen ihre Sendungen an Verteilzentren ab, von denen Elektro-Lastenfahrräder sich aufmachen in den innerstädtischen Verkehr. Es geht um die „letzte Meile“, aber so simpel ist die Aufgabe gar nicht. „Das ist eine logistische Herausforderung“, sagt Wagner vom Berg. Benötigt werden etwa digitale Infrastrukturen, um Fahrtrouten und Personaleinsatz optimal steuern zu können. Und er denkt bereits daran, die Idee auszurollen für Handwerker, an die Zustellung von Lebensmitteln an die Haustür, an Postzusteller und Zeitungszusteller.

Der Hochschul-Professor fand für sein Forschungsprojekt das junge Bremer Unternehmen Rytle als einen Partner. Rytle baut seit dem vergangenen Jahr elektrisch betriebene Lastenfahrräder, die in einer Art Schrank 200 Kilogramm an Ladung schnell und umweltschonend transportieren können und ist damit offenbar in eine Nische gestoßen. „Wir gehen jetzt in die Serienfertigung“, sagt Dr. Kristian Schopka. Bereit, neue Wege auszuprobieren, ist auch Nils Oetjen vonden Weser-Eilboten, dem zweiten Partner in dem auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt. In einem Dreieck zwischen Hochschule, Rotersand und Rickmersstraße wollen die Eilboten zum Ende der wissenschaftlichen Forschungsarbeit für die Praxiserfahrung sorgen und mindestens drei Monate lang in die Pedalen treten. „Die Idee trifft den Nerv der Zeit“, sagt Oetjen. Das Rad sei schnell und umweltfreundlich, verstopfe keine Straßen. Für ihn gehe es auch darum, die Kunden zu überzeugen, nachhaltiger zu konsumieren. Und der Kunde habe den Vorteil, dass nicht sieben verschiedene Paketboten vor der Haustür stehen, sondern nur einer für alle. Die gesamte Branche der Paketzusteller schaue längst nach Bremerhaven auf die Forschungsarbeit: „Die bekommen das schon mit“, sagt Oetjen. Für den Logistiker Oetjen bietet die neue Art der Zustellung aber auch die Möglichkeit, ganz neu über Personal nachzudenken: „Wir finden schwer Fahrer“, sagt er. Fürs Fahrrad braucht niemand einen Führerschein.

Die Wirtschaftsförderer unterstützen das Projekt mit 200 000 Euro aus dem Förderprogramm „Angewandte Umweltforschung“ des Umweltsenators. „Das Projekt passt hervorragend zu uns“, sagt Guido Ketschau von der BIS. Es sei ein Baustein im „Green Economy“-Konzept, umweltfreundliche „grüne Wirtschaft“ in der Stadt anzusiedeln.

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Veröffentlicht: 26. August 2018 von Thorsten Brockmann, cnv-medien.de