Diese Lastenräder liefern jetzt in Hannover Pakete aus

In Hannover werden im Tagesdurchschnitt etwa 33.000 Pakete zugestellt. Das führt zu Problemen mit wild parkenden Paketfahrzeugen und hoher Abgasbelastung. Die Stadt und große Paketzusteller wollen das ändern – und starten ein bemerkenswertes Logistik-Projekt in Linden.

Hannover

Vor zwei Jahren haben die Stadt, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Unternehmen der Logistikbranche das Projekt Useful mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Belastungen durch den wachsenden Lieferverkehr in den Griff zu bekommen. Jetzt gibt es erste Ergebnisse, die in Linden-Nord nun schrittweise umgesetzt werden. „Wir sind einen großen Schritt weitergekommen“, sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann.

33.000 Pakete pro Tag in Hannover

In Hannover werden im Tagesdurchschnitt etwa 33.000 Pakete zugestellt; die 16.000 Einwohner in Linden-Nord erhalten davon 1000. Das soll nun platzsparender, verkehrssicherer und mit weniger Belastungen durch Lärm und Abgase passieren. Dafür hat die Stadt mit der Posttochter DHL, DPD, Hermes, UPS und der Citipost fünf große Logistiker an Bord geholt; einige Hochschulen begleiten das auf ein Jahr mit Verlängerungsoption angelegte Projekt wissenschaftlich.

Stadtteil erhält 20 Umschlagpunkte auf Parkplätzen

Eindämmen wollen die Partner vor allem das wilde Parken der Zustellerfahrzeuge in der zweiten Reihe auf der Fahrbahn, an Straßeneinmündungen, auf Fuß- und Gehwegen oder auf Grünstreifen. Dazu werden über Linden-Nord verteilt 20 Umschlagpunkte eingerichtet, die die Lieferfahrzeuge aus den Paketzentren ansteuern und dort die Ware an die Auslieferer weitergeben. Diese übernehmen den Rest der Zustellung auf umweltfreundliche Weise – teils mit Lastenrädern, teils mit Elektroautos, zu Fuß oder mit der Sackkarre.

Die Umschlagpunkte bestehen aus zehn Meter langen, markierten Parkbuchten. Dort herrscht werktags von 9 bis 17 Uhr und sonnabends von 9 bis 14 Uhr ein ausgeschildertes Halteverbot für andere Fahrzeuge. „Das ist verkraftbar, weil zu diesen Zeiten viele Anwohner unterwegs sind und der Parkdruck nicht so hoch ist“, sagt Projektleiter Tim Gerstenberger.

Auslieferung per Drohne ist nicht möglich

Die Frage, ob durch diese Maßnahme weniger Zustellerfahrzeuge unterwegs sein werden, konnte Gerstenberger nicht beantworten: „Wir hoffen das, wissen es aber nicht“. Möglich wäre dies wohl nur, wenn die Logistiker auch bei der eigentlichen Zustellung zusammenarbeiten würden oder wenn die Stadt entsprechende Regeln erließe. Beides passiert zunächst nicht. „Der Einsatz von Zustelldrohnen scheidet im innerstädtischen Verkehr aus“, sagt Rainer Kiehl, City Logistik Manager von UPS.

Die Beteiligten erwarten sich aus dem Projekt in Linden-Nord Lerneffekte für die Stadt- und Verkehrsplanung. Stellen sich positive Effekte ein, wird das Konzept auf weitere Stadtteile übertragen.

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Veröffentlicht: 06.07.2019 von Bernd Haase, haz