Klimaschutz In Oldenburg – Paketbote kommt ohne Dieselmotor

Citipost-Nordwest-Mitarbeiter Dietmar Kuhn liefert ein Paket in der Oldenburger Innenstadt aus. Der GLS-Paketdienst hat sich von dem Konzept der Citipost zur emissionsfreien Zustellung überzeugen lassen | Bild: Torsten von Reeken

 

Kinderleicht sind die Wechselcontainer in die Halterung zu bugsieren, demonstriert Nathalie Ribeiro | Bild: Hans Begerow

Werbung in eigener Sache: Citipost Nordwest llliefert in der Oldenburger Innenstadt emissionsfrei aus | Bild: Hans Begerow

Die Citipost Nordwest hat einen innovativen Weg entwickelt. Bei der Paketzustellung in der Innenstadt setzt sie Lastenfahrräder und E-Transporter ein.

Oldenburg Wenn Paketzusteller Dietmar Kuhn zu seinen Kunden fährt, braucht er sich um Warteschlangen von Auslieferungsfahrzeugen in der Oldenburger Innenstadt nicht zu kümmern. Citipost-Mitarbeiter Kuhn fährt mit seinem Lastenfahrrad einfach an den Dieseltransportern vorbei, die morgens das Bild bestimmen und die Fußgängerzone verstopfen.

Mit Lastenfahrrädern und Transportern mit Elektromotor hat Citipost Nordwest, ein Tochterunternehmen der NWZ-Mediengruppe, die Zustellung für den Paketdienst GLS in zwei Postleitzahlbereichen der Innenstadt übernommen. Die Lastenfahrräder nutzen ein innovatives Beladungssystem: In Wechselcontainern, die die Grundmaße einer Europalette haben, können 180 Kilogramm Zuladung transportiert werden. So können mit vier Lastenfahrrädern alle GLS-Kunden in der Innenstadt erreicht werden, können die Retouren eingesammelt werden. 300 bis 600 Pakete täglich sind es, die Dietmar Kuhn und seine Kollegen emissionsfrei zustellen.

Logistikunternehmen

GLS Germany ist ein Tochterunternehmen der GLS (General Logistics Systems; Sitz Amsterdam). GLS beschäftigt in Europa 18 000 Mitarbeiter und transportiert 584 Millionen Pakete jährlich. Umsatz: 2,9 Milliarden Euro.

Citipost Nordwest ist ein Tochterunternehmen der NWZ-Gruppe. Citipost beschäftigt 100 Mitarbeiter in der Brief- und Expresszustellung sowie in der Paketzustellung. In der gesamten NWZ-Logistik sind 1200 Mitarbeiter beschäftigt.

Keine „Lkw-Polonäse“

Bei Fahrrädern konventioneller Art könnten maximal 50 Kilogramm zugeladen werden. Das „MovR“, so heißt das Lastenfahrrad, nutzt Wechselcontainer. Nach der Tour in einer der Innenstadtstraßen können die Zusteller zurück zu ihrer Basis im NWZ-Medienhaus in der Peterstraße radeln und den nächsten, bereits gepackten Container nehmen. „Wir haben das durch eine Bachelorarbeit nachrechnen lassen: Die Kosten sind gleich“, hebt Citipost-Nordwest-Geschäftsführer Jan Fitzner hervor. „Damit haben wir auch GLS überzeugen können. Wir arbeiten vollständig emissionsfrei und wirtschaftlich. Und es geht um die Reduzierung der Emissionen“, erläutert Fitzner. Durch das Wachstum im E-Commerce, dem Versandhandel über das Internet, habe der Auslieferungsverkehr enorm zugenommen. Das von der Citipost genutzte System vermeide die „Lastwagen-Polonäse“ in der Fußgängerzone. „Durch die enge Zusammenarbeit können wir unseren Service sicherstellen, auch wenn es in Zukunft zu Fahrverboten kommt“, sagt Anne Putz, Marketing- und Kommunikationschefin bei GLS. Als Teil der NWZ-Gruppe wolle man unternehmerisch Verantwortung übernehmen und nachweisen, dass man Pakete emissionsfrei zustellen könne, ergänzt Fitzner.

Umweltdaten erhoben

Das Transportsystem „MovR“ vom Hersteller Rytle ist die Voraussetzung für die abgasfreie Zustellung. Je kleiner das Zuladevolumen, desto größer müsse die Lagerfläche bei der Verteilung der Pakete auf die Touren sein, erläutert Citipost-Geschäftsführer Fitzner. Die Wechselcontainer lösen das Problem. Sie lassen sich flexibel einsetzen und innerhalb einer Minute auf- und abkurbeln. Und selbst wenn man kein innenstadtnahes Verteilzentrum hat, einen Wechselcontainer kann man überall zentrumsnah abstellen.

Das E-Fahrrad verfügt über zwei Elektromotoren, die auf die Hinterräder wirken. Damit kann das Fahrrad 15 Prozent Steigung bei 400 Kilogramm Gesamtgewicht überwinden (zum Beispiel eine Fahrt aus der Tiefgarage der Schlosshöfe). Wer sich zum ersten Mal auf ein „MovR“ setzt, ist überrascht, wie kraftvoll die schweren Lastenräder anziehen. Sie dürfen übrigens auf Radwegen fahren. Ausgestattet sind die vier Fahrräder mit einem Datenerfassungssystem, so dass der Standort jederzeit ermittelt werden kann, ermittelt werden aber auch Umweltdaten.

Ersatz für vier Diesel

Neben den Fahrrädern ist noch ein Nissan-E-Transporter (170 Kilometer Reichweite, 770 Kilo Zuladung) am Zustelldienst beteiligt. Insgesamt ersetzen die E-Fahrzeuge vier Dieseltransporter. Der Vorteil der E-Mobilität: Dieseltransporter müssen die Innenstadt bis 10 Uhr verlassen, dank Ausnahmegenehmigungen dürfen die Lastenfahrräder bis 13 Uhr in der Fußgängerzone fahren.

Interesse an Lastenräder

Sieben Mitarbeiter sind bei der Citipost Nordwest in der Paketzustellung beschäftigt. Sie liefern in den Postleitbereichen 26121 und 26122 die GLS-Pakete aus. Dietmar Kuhn und seine Kollegen werden oft angesprochen auf ihre Lastenfahrräder.

Pakete zugestellt ohne Dieselfahne – das weckt nicht nur Interesse bei den Passanten, sondern auch bei den Logistikern, die alle um die Emissionsproblematik wissen. „Unser Projekt trägt dazu bei, unsere Innenstädte lebenswert zu erhalten. Es zeigt, dass emissionsfreie City-Logistik technisch und ökonomisch funktioniert“, sagt Geschäftsführer Fitzner.

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Veröffentlicht: 02. Oktober 2018 von Hans Begerow, nwzonline.de