Lastenrad „Movr“: Revolution auf drei Rädern

Bremer Firma will Jobs und eine saubere Umwelt schaffen

Das Lastenrad „Movr“ der Bremer Firma „Rytle“ ist in der Lage, europalettengroße Kleincontainer aufzunehmen. Die Räder sollen zukünftig große Paketfahrzeuge aus den Innenstädten verbannen und Jobs schaffen.

Bremen – Von Steffen Koller. Verstopfte Straßen, dicke Luft und kein Durchkommen – geht es nach Arne Kruse, soll all das bald ein Stück weit der Vergangenheit angehören. Der Bremer Unternehmer hat den sogenannten „Movr“ entwickelt, ein dreirädriges Lastenrad, das zukünftig nicht nur große Paketfahrzeuge aus den Straßen verbannen soll, sondern auch auf einfache Weise Arbeitsplätze schaffen könnte.

Das System dahinter ist denkbar einfach – und doch bietet es auf mehreren Ebenen Vorteile, die auf der Hand zu liegen zu scheinen. Ein einfaches Beispiel: Man bestellt über das Internet einen PC. Über lange Lieferketten kommt das Paket irgendwann beim Kunden an. Vorher – und hier kommt Kruses Erfindung zum Einsatz – muss das Paket vom Zustellzentrum auf Paketfahrzeuge verladen werden, genau die Wagen, die oft (notgedrungen) enge Straßen minutenlang blockieren und nicht nur für dicke Luft, sondern auch für Ärger bei Anwohnern und Autofahrern sorgen.

Kruses Idee, die er zusammen mit dem Nutzfahrzeugehersteller Krone (Emsland) und seiner Unternehmensberatung Orbitak entwickelt hat, nennt sich „Movr“ und wird über die Firma „Rytle“ vertrieben. Bei beiden Firmen zeichnet Kruse als Geschäftsführer verantwortlich.

Kombination aus drei Elementen

„Movr“ ist im Grunde die Kombination aus drei Elementen. Erstens: das Fahrrad, das optisch einem normalen Lastenrad ähnelt. 25 Kilometer pro Stunde schnell, mit zwei E-Motoren, Rückwärtsgang und Anfahrhilfe ausgestattet, kann dieses Gefährt kleine Container transportieren, die auf die Abmessungen einer Europalette genormt sind.

Mit einer speziellen Vorrichtung am hinteren Teil des Rades ist es möglich – und da wären wir beim zweiten Teil –, die etwa zwei Meter hohen Kleincontainer aufzunehmen und an anderer Stelle wieder abzuladen. Als drittes Element kommen sogenannte Hubs ins Spiel. Diese Stationen, die Platz für bis zu neun Kleincontainer bieten, können beliebig an Stellen in der Stadt verteilt werden und dienen als Anlaufpunkt für die Lastenräder, die dort die einzelnen Boxen entnehmen und leere wieder abladen können.

Jeder soll sich am Verteilen von Paketen beteiligen können

Steuerbar ist all das über spezielle Technik, die es dem Fahrer mittels Smartphone möglich machen soll, alle relevanten Daten (Standort, Inhalt, beste Route) abzurufen. So sei es für den Fahrer leicht, schnell herauszufinden, welches Paket an welche Adresse muss und wie er Routen am effizientesten kombiniert. Und da kommt eine weitere Säule der Erfindung ins Spiel, dass sich im Fachjargon „Crowdworking“ nennt. Man meldet sich über eine App an, schaut, wo Hubs und Räder stehen und bekommt über die App die entsprechenden Informationen.

Schon, so die Idee, könne sich im Grunde jeder an dem Verteilen von Paketen beteiligen und Geld verdienen. „Auch Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen oder ohne Führerschein und Ausbildung“, erklärt der 46-jährige Diplom-Ingenieur seine Vision für die Zukunft.

Kruse will „die letzte Meile grün machen“

Ende 2016 entstand die Idee, Startschuss für den ersten Prototypen war bereits fünf Monate später. Weitere drei Monate darauf fertigten Kruses Mitarbeiter die erste Vorserie an, seit Anfang des Jahres läuft die Serienproduktion auf Hochtouren, erklärt er. In Hamburg werden aktuell die ersten Räder, die einen Preis im „kleinen fünfstelligen Bereich“ haben, im Alltagsbetrieb getestet.

Auch das Paketunternehmen UPS gehört zu Kruses Kunden. Geht es nach dem 46-Jährigen, soll das Rad keine Notlösung im Paketbereich sein, sondern sich als fester Bestandteil der Lieferkette etablieren. Kruse will „die letzte Meile grün machen“ – und der „Movr“ sei dabei nur der Anfang.

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Veröffentlicht: 26.02.2018, aktualisiert am 26. März 2018 von kreiszeitung.de