„Rytle“: Markt mit E-Lastenrädern nimmt Fahrt auf

Werlte/Bremen. Vor knapp zwei Jahren ist das Unternehmen „Rytle“ von der Krone-Gruppe und dem Bremer Beratungsunternehmen Orbitak gegründet worden – mittlerweile ist das Geschäft mit den Elektro-Lastenrädern richtig gut ins Rollen gekommen.

Umweltzonen, enge Straßen, Verkehrschaos und der rasante Zuwachs am Onlinehandel sorgen dafür, dass die Arbeitsabläufe der Zusteller auf der sogenannten letzten Meile ins Stocken geraten sind – und bisherige Prozesse an ihre Grenzen stoßen. Mitbegründer der Rytle-Idee und ehemaliger Marketingleiter der Krone Nutzfahrzeugsparte in Werlte, Ingo Lübs, berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion über die aktuellen Entwicklungen bei „Rytle“.

Das Unternehmen bietet neben dem elektrisch betriebenen Lastenrad „MovR25“ auch noch die standardisierte Transportbox „Rytle Box“, ein mobiles Hub aus dem Krone Baukasten und eine Software-Plattform an, die alle Beteiligten vernetzt. Durch die Abstimmung zwischen den einzelnen Komponenten stehe die Effizienz in der Zustellung auf den letzten Metern im Vordergrund, so Lübs.

Noch vor wenigen Jahren sei es undenkbar gewesen, heute entwickelten sich Lastenräder rasant zu einer echten Alternative im innerstädtischen Lieferverkehr. „Dieser Wandel in Europa ist immens. Das Lastenrad ist ja grundsätzlich keine neue Erfindung und dient, insbesondere im asiatischen Raum, schon seit sehr langer Zeit als adäquates Transportvehikel“, sagt Lübs. Seit jeher gebe es in der Krone Gruppe auch sogenannte Last-Mile Produkte im Bereich KEP (Kurier-, Express- und Paketdienste).

Es fehlte bisher am Markt aber das passende Gesamtkonzept für die „letzte Meile“. Krone-Inhaber Bernard Krone erklärt: „Durch das Joint-Venture ,Rytle‘, in dem wir einerseits Expertise aus dem Lastenfahrrad-Bereich sowie Automotive und IT und andererseits Expertenwissen aus der Logistik als Trailerhersteller vereint haben, glauben wir, behaupten zu können, dass wir einen Lösungsansatz für diesen Wandel gefunden haben.“ Man könne davon ausgehen, dass zukünftig ein deutlicher Anteil der Lieferungen in Ballungsräumen technisch mit elektrisch betriebenen Lastenfahrrädern zu realisieren sein werde, so Krone.

Seit der ersten Auslieferung im Jahr 2018 ist „Rytle“ mit verschiedensten Kunden – international tätigen wie auch kleineren Paketdienstleistern – in mehr als 25 europäischen Städten unterwegs. Auch in Osnabrück betreibt UPS ein solches Fahrzeug. Weitere 15 Städte sind in Planung und kommen kurzfristig dazu, so Lübs: „Es gibt eine weltweite Nachfrage nach dem Produkt, die man im ersten Schritt selbstverständlich nicht direkt bedienen kann.“

Mit der ersten Kooperation in den USA zur Produktion der „MovR“ geht das Unternehmen mit Sitz in Bremen einen ersten Schritt in den Vereinigten Staaten. Zudem werde die Möglichkeit der lokalen Produktion im indisch-asiatischen Raum ausgelotet. Doch nicht nur im KEP-Geschäft ist das System effizient. Erste Tests finden gerade in großen Industrieunternehmen in Süddeutschland statt. Natürlich werden auch „MovR“ in den Krone-Standorten Spelle, Werlte, Herzlake und Lübtheen intern eingesetzt, so Lübs.

Bernard Krone: „Der Wandel, den wir momentan innerhalb der letzten Meter bis vor die Tür der Kunden aktiv mitgestalten, ohne den Verkehr zu blockieren, so wie das Feedback von vielen Kunden und Interessierten zeigt uns, dass die Entwicklung und Umsetzung unseres Konzeptes in die richtige Richtung gegangen ist.“

Das Team hat jüngst mit Bernard Krone in Singapur bei einem Arbeitstreffen einen weiteren Weg eingeschlagen. „Nach anfänglichem Fokus auf die Paketdienstleister hat die Mannschaft nun auch eine Lösung für den Transport von gekühlter Ware, etwa im Lebensmittelbereich erarbeitet“, so Lübs, der das Unternehmen mit Geschäftsführer und Mitbegründer Arne Kruse leitet. Grundsätzlich werde Rytle so ein noch breiteres Kundenspektrum bedienen können. So gab es Anfragen von internationalen Lebensmittelketten, die frische Ware ausliefern möchten. „In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern in Singapur haben wir jetzt eine Möglichkeit gefunden, eine Box zu fertigen, die dies auch gewährleisten kann“, erklärt Lübs.

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Veröffentlicht: 07.07.2019 von Mirco Moormann , noz